Wohnmobil

Abenteuer, Naturdenkmäler und Traumstrände

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Unsere Iberia-Rundreise

6594 Kilometer „on the road“

Schon in meinen Jugendjahren zeichnete ich auf alten Karten meine Routen auf, die ich nochmals in meinem Leben selber fahren wollte. Eine davon war eine Tour rings um die iberische Halbinsel. Es hat geklappt, wenn auch erst 45 Jahre später… Nordspanien und Portugal – wir kommen!

Etwas nervös sind wir vier schon, als wir am Samstag für fünf Wochen unser Zuhause verlassen. Ich komme bei Beni, meinem Wohnmobilfreund an und merke erst, dass ich sogar vergessen habe, meinen Gastank aufzufüllen. Erste Verspätung perfekt. Die Frauen kümmert es eigentlich wenig. Sie trinken halt im Garten gemütlich einen Apèro. Eine halbe Stunde später bin dann auch ich bereit und wir können mit unseren Wohnmobilen die Reise unter die Räder nehmen.

Unsere Funkverbindung klappt. Auf der Autobahn Richtung Yverdon haben wir Zeit, alles zu überprüfen. Wir fahren schon länger zusammen weg und haben dank unserer Funkgeräte Schäden oder sogar Unfälle vermieden, weil der hintere Fahrer auch warnen kann und vier Augen mehr sehen als zwei.

In Genf verlassen wir die Schweiz und die Reise geht weiter über Lyon nach Clermont Ferrand. In Royat, einem Vorort im Westen der Industriestadt  trohnt der Campingplatz über der Stadt und wir machen den ersten Halt. Es ist recht kühl, an diesem schönen Herbsttag. Wir parken auf dem weitläufigen Gelände nebeneinander. Wir haben die ersten 497 Kilometer durch Frankreich hinter uns. Wir haben uns an das Gefühl, frei zu sein, gewöhnt und freuen uns auf die nächsten Wochen.

Um den Puy de Dôme durchs Périgord nach Biarritz

Am zweiten Tag geht’s Richtung Atlantik. Vom Campingplatz weg fahren wir um den Puy de Dôme. Der 1465 Meter hohe Vulkan liegt im gleichnamigen Departement und gehört zum Zentralmassiv in der südlichen Hälfte Frankreichs. Der Puy de Dôme ist der bekannteste Gipfel der Auvergne. Der schlafende Vulkan wurde schon in der Antike verehrt und bringt auch uns zum Staunen. Wir fahren durchs Périgord durch traumhafte Landschaften, an Städten wie Bergerac vorbei, passieren die Umfahrung von Bordeaux und landen gegen Abend nach einer 557 Kilometer langen Fahrt auf dem Campingplatz von Biarritz.

Heute leben in Biarritz rund 25’000 Einwohner. Das war nicht immer so. Noch um 1800 war Biarritz ein Fischerdorf mit rund 200 Einwohnern. Das änderte sich aber als Kaiserin Eugénie, gebürtige Spanierin und Gemahlin von Napoléon III., für zwei Monate nach Biarritz kam und der Kaiser ihr darauf hin eine Residenz bauen liess. Die Adeligen besuchten ihre Residenz anschliessend jeden Sommer. Diese Besuche machten Biarritz auch bei anderen Königshäusern in Europa bekannt – sogar Kaiserin Sissi weilte in Biarritz –  und so kam es, dass sich der Adel bis in den zweiten Weltkrieg hinein hier traf. Heute ist Biarritz eine der Surfhochburgen Europas.

Wir fahren mit dem „Petit train“ durch die Stadt und bewundern den „Rocher de la vierge“, ein Felsenriff, auf dem eine Staue der Jungfrau Maria steht. Am Abend gibt es endlich einen Teller taufrische Moules à la crême im schönen Campingrestaurant. Wir lassen uns auch von einer kurzen Regenfront nicht abhalten und geniessen unser Mahl halt unter der „Sonnenstore“ fertig.

Hôtel du Palais - Biarritz
Rocher de la vierge in Biarritz
Camping in Biarritz

Ueber San Sebastian nach Santillana del mar

Nach dem Ruhetag in Biarritz geht die nächste Etappe los. Wir fahren 393 Kilometer bis nach Santillana del mar. Wir machen einen ersten Zwischenhalt in San Sebastian. San Sebastian, auf baskisch heisst die Stadt Donastia, war im Jahre 2016 europäische Kulturhauptstadt. Was uns eigentlich nicht verwundert: Die Stadt am Golf von Biskaya im bergigen Baskenland überzeugt durch wunderbare Bauwerke, innovative und weltbekannte Restaurants, freundliche Leute und lustig angeschriebene Bars. Die beiden Strände Playa de la Concha und Playa de Ondarreta werden von einer gepflegten Uferpromenade gesäumt und laden zum Verweilen ein. Für den Wohnmobilfahrer hat die Stadt extra einen Stellplatz (übrigens mit Uebernachtungsmöglichkeit) etwas ausserhalb des Stadtkerns. Er ist gut angeschrieben, sauber und praktisch. Wir bestellen ein Taxi, welches uns direkt ins Stadtzentrum fährt. Wir haben das Gefühl, der Fahrer habe seine Lizenz bei Felipe Alonso erhalten. Die Frauen auf dem Rücksitz haben hie und da die Augen geschlossen… Dank rigider Gesetze hat es die Stadt fertig gebracht die alte Bausubstanz zu erhalten. Darum lebt die Stadt mit rund 180’000 Einwohnern während den Sommermonaten sehr stark vom Tourismus. Wir bekommen dies auch zu spüren, wir finden kaum Platz, um einen Apéro zu geniessen.

Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg Richtung Santillana del mar.

Bilbao lassen wir rechts liegen, denn wieder überfällt uns eine Regenschauer aus dem Atlantik und lässt uns weiterfahren. Ueber Santander erreichen wir die historische Kleinstadt in Kantabrien. Sehenswert in der über 1000 Jahre alten Stadt sind die vielen Paläste und Kirchen. Der Ort ist wie ein lebendiges Museum. Heute leben über 4’000 Personen in der Stadt, die nicht nur vom Tourismus, sondern auch von der Landwirtschaft lebt. Den Campingplatz finden wir direkt oberhalb der Altstadt. Wir suchen einen Platz, dass wir uns wieder einmal über das Weltgeschehen informieren können, der Satellit braucht freie Sicht nach oben. Abends gehen wir noch einmal zurück in die Stadt und lassen uns nordspanische Spezialitäten servieren.

San Sebastian
Santillana
Santillana - die historische Stadt neben Bilbao
Santillana
Santillana

Weiter Richtung Westen…

Am nächsten Tag müssen die Thetford-WCs geleert werden. Der Ausguss ist bei den Arbeitsgebäuden des Campings. Ich leere meinen  Behälter in das alte WC, welches als Ablauf dient und sehe Sekunden später wie die ganze Brühe hinten auf die Wiese läuft… Ich glaube, die Anlage ist noch nicht ganz durchkonzipiert.

Wir fahren der Küste entlang und erreichen bald Comillas. Comillas ein Urlaubsort etwa 40 Kilometer westlich von Santander ist im Juli und August den Touristenströmen kaum noch gewachsen. In den restlichen Monaten bietet Comillas eine wunderschöne Altstadt und einen komfortablen Hafen für kleinere Schiffe. Die Stadt der Erzbischöfe wie Comillas auch genannt wird, hat heute rund 2200 Einwohner, die im Tourismus- und Dienstleistungssektor arbeiten. Das Fischergewerbe, welches noch vor 50 Jahren wichtig war, ist sehr zurückgegangen. Viele Adelige aus Madrid, Barcelona, Sevilla oder Bilbao verbringen noch heute viel Zeit in Comilla und an seiner Atlantikküste.

Nach nur 102 Kilometern erreichen wir unser heutiges Ziel Caravia. Der Camping liegt direkt am Jakobsweg, welcher durch Nordspanien bis nach Santiago führt. Wir beobachten in diesen Tagen sehr viele Pilgerer auf dem Weg ihrer Sehnsucht. Eigentlich wollen wir im Restaurant ein Menu essen. Geht nicht. Restaurant geschlossen. Der Grill muss herhalten: Es gibt Bratwürste und  Cervelats aus der Schweiz und dazu einen wunderschönen Campo Viejo aus dem Riojaland.

Caravia - der Strand
Caravia - beim Nachessen

Auf Umwegen nach Ribadeo

Unsere heutige Etappe führt uns über 210 Kilometer nach Ribadeo. Den ersten Halt machen wir auf der Illa Pancha. Die traumhafte Küste finden wir eigentlich per Zufall. Trudi wünscht sich einfach, dass wir die gut ausgebaute Strasse einmal verlassen und ans Meer fahren. Die Halbinsel mit dem Leuchtturm lässt uns fast nicht mehr los. Die Ruhe, der weite Atlantik, die traumhafte Gegend und die Wärme der milden Herbstsonne müssen wir richtig in uns aufsaugen.

Wir fahren weiter, suchen die Playa de las Catedrales und verlassen die Hauptstrasse wieder. Wir kommen in ein kleines Städtchen. Ich glaube, dass ich kehren muss, es wird eng. Ich funke bereits zu Beni, da winkt ein älterer Spanier, die Strasse gehe links weiter.  Ich fahre wieder los. Das Gässchen wird immer enger. Es geht aber gut. Unten am Ufer des kleinen Flusses hat es links und rechts des Strässchen ein Restaurant mit Sonnenschirmen. Christine hat schon Freude, dass ich mindestens einen umwerfen werde, ich komme sauber durch, habe schon Freude und dann steht auf der Verkehrstafel, die Brücke sei nur 2,45 Meter breit. Zum ersten Mal habe ich beim Wohnmobilfahren leicht feuchte Hände, mein Wohnmobil hat eine Breite von 2,30 Metern. Ich schaffe es und Beni meint durch den Funk recht cool „Wenn du es schaffst, so schaffe ich das auch!“. Auf der anderen Seite des Flüsschen kommen wir wieder ans Meer. Wir picknicken und fahren weiter. Nirgends stehen weitere Warnsignale. Aber dann kommt, 20 Meter vor einer Bahnunterführung die Tafel Höhe max. 2.8 Meter! Wir müssen auf dem schmalen Weg fast einen halben Kilometer zurück um anschliessend eine Bahnüberquerung zu nehmen, die eigentlich für Landwirtschaftsfahrzeuge reserviert wäre. Nach viel Schweiss kommen wir auf die grosse Landstrasse zurück und fahren weiter Richtung Westen und sehen vor uns die Playa de las Catedrales direkt an der Hauptstrasse. Diese Playa heisst so, weil Felsformationen wie Kathedralen im Sand stehen. Der Strand ist einzigartig, hat aber ein Problem: Vorallem um Ostern wollen täglich bis zu 20’000 Besuchern die Felskathedralen von Ribodeo sehen. Die Regionalregierung sah sich gezwungen, Massnahmen zu ergreifen und heute können nur noch 4812 Besucherinnen und Besucher täglich die Kathedralen besuchen. Wir haben Glück, im Herbst ist nur halb soviel los, sogar der Parkplatz ist frei.  Zum Uebernachten fahren wir weiter auf den Campingplatz in Cosme bei Ribadeo. Auch hier gilt: Der Strand ist einzigartig. Nordspanien gefällt uns immer besser….

Illa Pancha
Illa Pancha
Illa Pancha - im Norden von Spanien
Playa de Catedrales
Playa de Catedrales
Playa de Catedrales
Sonnenaufgang in Ribadeo

Ueber Lugo nach La Coruna

Unsere Reise geht weiter. Wir fahren nach Lugo, die älteste Stadt in Galicien. Wir bewundern die Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert mit ihren wuchtigen halbkreisförmigen Bastionen in Abständen von zirka 100 bis 200 Metern. Beim Apéro geniessen wir zum ersten Mal Tapas bis zum Abwinken.  An hunderten von Windrädern vorbei erreichen wir unser  heutiges Ziel La Coruna. Gegen Abend sind wir nach 203 Kilometern auf dem „erotischsten Camping auf der iberischen Halbinsel“ wie Beni erklärt. Die Saison ist vorbei, wir können unseren Stellplatz auswählen. Andertags besuchen  wir die Hafenstadt mit dem Leuchtturm Hercules, welcher zum Weltkulturerbe der Unesco gehört und einen Panoramablick auf die Stadt und die Küste bietet.

Stadtmauer in Lugo
Camping la Coruna
Leuchtturm in La Coruna

Eindrücklich: Santiago de Compostela

Nach dem Herculesturm ein Hercules-Tag, wir fahren weiter nach Santiago de Compostela, der drittwichtigsten Pilgerstadt nach Rom und Jerusalem. Obwohl nicht besonders religiös, haben uns die Pilger, die bei der berühmten Kathedrale ihre Pilgerreise beenden, sehr beeindruckt. Hier endet der Jakobsweg. Viele Wegmöglichkeiten haben die Pilger, um nach Santiago zu kommen, doch der wichtigste führt der nordspanischen Küste entlang. Der ganze Weg ist mit der Jakobsmuschel gezeichnet. Es gibt Legenden und Sagen, wie Santiago zu seinem Namen kann.  Sicher ist nur, dass Jakobus der Aeltere, einer der zwölf Jünger Jesu, der Stadt den Namen gab. Die Jakobsmuschel ist seit dem 11.Jahrhundert als Pilgerzeichen belegt. Heute strömen jährlich über 200’000 Pilger zu Fuss, auf dem Fahrrad, zu Pferd oder sogar in Rollstühlen nach Santiago. Abends erreichen wir unseren Campingplatz in Vilanova de Arousa. Wir übernachten direkt am Atlantik und geniessen unsere Spare Ribs. Wir sind jetzt zehn Tage unterwegs und haben bereits ein Fülle von Eindrücken gesammelt, ohne Tagebuch. Kamera und Fotos hätten wir den Ueberblick bereits verloren.

Santiago de Compostela
Santiago de Compostela
Kathedrale von Santiago de Compostela
Spareribs zum Znacht

Jetzt nach Porto

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Porto. Unterwegs kämpfen wir auf der grossen Landstrasse wieder mit heftigen Regenfällen. Den Grenzübertritt nach Portugal fühlt sich an wie auf dem Arlbergpass im Frühling. Regen, Nebel und Kälte herrschen hier vor. Doch wie näher das Porto kommt, wird das Wetter besser und angenehmer. Bei wunderbarem Sonnenschein richten wir uns auf dem Camping nach 211 Kilometern  ein. Um halb drei wollen wir mit dem öffentlichen Bus ins Zentrum fahren. Es dauert fast eine Stunde, bis wir merken, dass wir noch unsere Uhren umstellen sollten. Zwei französische Campertouristen machen uns darauf aufmerksam. Unsere Bustour ins Zentrum gleicht mehr einem Husarenritt. Der Fahrer rast durch enge Gassen und Kreuzungen, wir sind jedenfalls heilfroh im Zentrum zu sein.

Porto ist die wichtigste Industriestadt Portugals. Porto ist bekannt für seine prächtigen Brücken und den hier hergestellten Portwein. Es gibt in Porto Leute die behaupten, dass in Porto das Geld verdient werde, welches man in Lissabon zum Fenster hinauswerfe.

Wir machen eine Stadttour mit dem „Obenohnebus“. Fasziniert von wunderschönen Bauten, riesigen Lagerhäusern für den Wein, den engen Gassen und den Schiffen auf dem Douro, der hier in den Atlantik mündet, geniessen wir anschliessend den Apéro im Zentrum. Die Fahrt zurück zum Campingplatz machen wir diesmal mit dem Taxi…

Porto liegt am Douro
Porto
Porto

Das Dourotal mit gesperrten Strassen

Heute möchten wir das Dourotal bereisen. Wir wollen auf der linken Seite hinauf  bis zur spanischen Grenze. Doch es kommt anders. Kurz nach Porto müssen wir das Ufer wechseln, auf der rechten Seite geht es in die bergige Landschaft hinein. Der Douro ist weit unter uns.

Plötzlich mitten in einem kleinen Bergweiler ist die Strasse wieder gesperrt und wir müssen durch ein schmales Strässchen steil bergab fahren. Kreuzen unmöglich, jeder, der uns entgegen kommt, fährt sofort rückwärts zur nächsten Abstellmöglichkeit. Wir kommen bis zum Douro zurück, doch bevor wir weiterfahren, müssen die reifen Pflaumen und Aeste, welche wir beim Hinunterfahren abgestreift haben, wieder vom Dach. Es hätte grad ein paar Konfigläser gefüllt. Endlich kommen wir wieder auf die Landstrasse und durchfahren nun das älteste Weinanbaugebiet der Welt. Die klassischen, schönen Douroweine werden hier seit Jahren gepflegt. Das Weingebiet steht heute unter dem Siegel des Unesco-Weltkulturerbes.

In Peso da Régua machen wir einen längeren Halt und strecken wieder mal die Beine. Zum Schluss des 300 Kilometerfahrt steuern wir über Viseu zurück an den Atlantik und übernachten auf dem Camping bei Aveiro.

Aveiro - im Norden von Portugal

Fatima und Nazaré lassen uns wieder staunen

Trudi will von Aveiro weg der Küste entlang fahren. Wir verlassen die grosse Strasse und geniessen bei der Kaffeepause den salzigen Westwind am Atlantik. Nach dem Mittagessen landen wir in Fatima. Fatima liegt in Zentralportugal. Hier befindet sich das Heiligtum von Fatima, eine katholische Wallfahrtsstätte. Die Erscheinungskapelle steht dort, wo die Jungfrau Maria 1917 erschienen sein soll. Heute hat das Heiligtum von Fatima den grössten Kirchenvorplatz der Welt. Hier haben mehr Personen Platz als auf dem Petersplatz in Rom. Die neue Basilika zur Heiligsten Dreifaltigkeit, sie ist 2007 eingeweiht worden, ist mit ihren 9000 Sitzplätzen die viertgrösste katholische Kirche der Welt. Wir sind überrumpelt von der Grösse des Platzes, ja verlieren uns fast. Und die Stimmung ist sehr speziell. So verwundert es eigentlich nicht, dass an diesem Wallfahrtsort auch Kranke und Behinderte auf eine wundersame Heilung hoffen. Auch für die kirchlichen Oberhäupter der katholischen Kirche ist Fatima ein wichtiger Ort. In den letzten 50 Jahren sind Papst Johannes XXII, Johannes Paul II, Pius XII, Paul VI, Benedikt XVI  und Papst Franzikus nach Fatima gepilgert.

Noch voller Eindrücke fahren wir weiter, Richtung Nazaré. Kurz vor dem Ziel zieht es uns wieder an den Atlantik. Wir finden ein Restaurant mit traumhafter Kulisse. Die Wellen peitschen mit ungeheurer Wucht in den Sandstrand. Am liebsten würden wir hier übernachten, bekommen aber die Erlaubnis nicht.

Weiter geht’s und kurze Zeit später erreichen wir das Zentrum von Nazaré. Auf dem Hoch-plateu oberhalb des Leuchtturmes finden wir nach 222 Kilometern einen Stellplatz, 100 Meter vom Zentrum und der Kirche entfernt. Unser Uebernachtungsplatz ist zwar windig aber traumhaft schön und direkt über dem Strand, wo jeweils im Spätherbst und im Winter die grosse Welle kommt.  Durch einen 5000 Meter tiefen und 40 Kilometer langen Unterwassercanyon schaukeln sich die Wellen auf und genau vor dem Leuchtturm erreichen sie Höhen bis zu 30 Metern: 500’000 Tonnen schwere Hochhäuser aus Wasser, die mit Tempo 70 auf die Küste zu rasen und sich dann brechen. Der Guinessrekord stammt aus dem Jahre 2011. Der Amerikaner Garrett McNamara surfte eine 24 Meter hohe Monsterwelle. Wir sind keine Surfer, uns fasziniert einfach das Naturphänomen. Neben der Kirche geniessen wir das Abendessen in einem kleinen Restaurant und erhalten zum ersten Mal den portugiesischen Brandy Macieria. Nach dem zweiten Glas stellt die Wirtin die Flasche auf den Tisch und erklärt uns, wir sollen uns bedienen.

Fatima - die grösste Wallfahrtsstätte in Portugal
Atlantikküste bei Nazaré
Küste bei Nazare
Nazaré - die Abendstimmung
Uebernachtung in Nazaré
Leuchtturm in Nazaré

Über Peniche nach Lissabon

Nach der windigen Nacht machen wir uns auf den Weg nach Lissabon. Wir fahren weiterhin der Küste entlang und beim Cabo Carvoeiro machen wir die erste Pause. Bevor wir  in die portugiesische Hauptstadt fahren, besuchen wir noch das Cabo Roca. Am späteren Nachmittag erreichen wir nach 256 Kilometer den schönen Camping von Lissabon. Wir sind überzeugt: ohne Navi fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Cabo Carvoeiro
Capo Carvoeiro
Capo Carvoeiro - viele Besucher
Cabo Roca
Camping in Lissabon

Lissabon: melancholisch, schöne Bauten und Moderne

500’000 Einwohner, eine Stadt auf sieben Hügeln , Weltkulturerbe, Ausflug für Tramfanatiker, die  Brücke des 25. April, welche der Golden Gate Brücke in San Francisco ähnelt, der Turm von Belém, die verkehrsfreie Zone im Zentrum, Boutiquen und alte Restaurants, das Hieronymus-Kloster mit der Grabstätte des Vasco da Gama und, und, und… Lissabon alleine wäre eine Woche Aufenthalt wert. Wir bleiben drei Tage, fahren immer mit dem Taxi ins Stadtzentrum (eine Fahrt kostet ganze 9 Euro für zirka 15 Kilometer) und geniessen die spezielle Atmosphäre, die Musik in den Cafés und das emsige Treiben in der verkehrsfreien Zone.

Kloster Jeronimos in Lissabon
Lissabon
Lissabon - die Statue beim Schlosseingang
Das Monument Padrao in Lissabon
Lissabon

Ab nach Lagos in der Algarve zur „letzten Bratwurst vor Amerika“

In Lagos in der Algarve finden wir nach einer 298 Kilometer-Fahrt wohl den schönsten Camping Portugals.  Yelloh! Village Algarve-Turiscampo bietet alles, was das Herz begehrt. Saubere Stellplätze, eine freundliche Reception (das Mieten eines Autos dauert nur gerade zehn Minuten) einen schönen Pool (die Camping in der Algarve sind nicht direkt am Strand) und das  Restaurant, welches keine Wünsche offen lässt. Und das Menu kostet nicht 15 Euro!

Wir mieten ein Auto, damit wir die Algarve nicht mit unseren Wohnmobilen abfahren müssen. Heute fahren wir zum Cabo do Vicente. Das ist der südwestlichste Punkt Europas. Das Cabo wird von 70 Meter hohen Steilküste umgeben. Nach der Besichtigung das Cabos, essen wir die „letzte Bratwurst vor Amerika“. Zwei Frauen in einem Grillbudewagen verkaufen tatsächlich Originalbratwürste aus Deutschland. Für uns ist es fast Pflicht, hier eine Wurst zu essen und diese schmeckt auch noch sehr gut.

Am zweiten (Mietauto-)tag besuchen wir das schöne Städtchen Lagos mit seinen verträumten, gepflegten Gässchen und nachmittags befinden wir uns an der Praia Dona Ana, einer der berühmtesten Badebuchten in der Algarve.

Zum Schluss besuchen wir am dritten Tag Faro, das administrative Zentrum der Algarve mit zwei Universitäten und den für den Tourismus wichtigen Flughafen. Nach einer Stadtführung besuchen wir Freunde aus Bern, die in der Nähe von Faro die meiste Zeit ihrer Pension verbringen. Wir werden bedient wie Könige und lernen weitere feine portugiesische Weine kennen.

Camping in Lagos
Capo San Vicente
Letzte Bratwurst bevor man in die See sticht...
Beizli im Camping Lagos. Traumhaftes Nacht

Weiter nach Sevilla

Nach den paar Tagen mit etwas Ruhe geht es heute weiter nach Sevilla. Wir fahren 293 Kilometer bis in die andalusische Metropole. Ein Taxi fährt uns vom Campingplatz ins historische Zentrum der viertgrössten Stadt Spaniens. Die Altstadt ist neben Venedig und Genua eine der grössten Altstädte Europas überhaupt. Die Kathedrale Maria de la Sede wurde 1401 bis 1519 in die bestehende maurische Moschee eingebaut und gehört heute natürlich zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir stehen fasziniert vor dem riesigen Bauwerk (die Kathedrale hat fünf Schiffe) und können uns kaum satt sehen. Anschliessend besuchen wir den Plaza de Espana, der 1929 zur ibero-amerikanischen Ausstellung gebaut wurde.

Nachdem kulturellen Teil kommt die Kulinarik. In den engen Gässchen der Altstadt finden wir hunderte von kleinen Tapasrestaurant. Sevilla gilt als Ursprungsort der Tapas, kleiner, kalter oder warmer Häppchen, die immer mit einem Glas Wein serviert werden. Natürlich probieren wir diese Köstlichkeiten, bevor uns ein Taxi wieder zum Camping führt.

Praia Dona Ana an der Algarvenküste
Sevilla
Altstadt von Sevilla
Tapasmenu in Sevilla
Plaza Espana in Sevilla

 Zu den Walen von Tarifa

Heute fahren wir über 190 Kilometer nach Tarifa. Hier finden wir den schön gelegenen Camping Torre de la Pena, auf einem Plateau, 50 Meter über dem Meer und mit Sicht auf Afrika.

Tarifa ist bekannt für seine Walforschung und Walexpeditionen. Auch wir schliessen uns einer Gruppe an und fahren mit dem Expeditionsschiff aufs Meer. Zwei Meeresbiologen begleiten uns und achten darauf, dass niemand Sandwichresten ins Meer wirft. Wir fahren eine halbe Stunde ohne nur einen Fisch zu sehen, doch plötzlich stellt der Kapitän den Motor ab und wir sind mitten in einer Grindwalschule. Die Grindwale sind immer in einer Gruppe, selten bis nie alleine und sind in der Meeresstrasse von Gibraltar zuhause. Die Tiere haben keine Angst, spielen links und rechts des Bootes und zeigen uns ihre Künste. Das Schauspiel dauert mehr als eine halbe Stunde und rührt manch hartgesottene Ferienkünstler zu Tränen. Wir haben viel gesehen auf unserer Reise, schöne Landschaften, edle Baudenkmäler, aber das eindrücklichste Erlebnis bleiben die Grindwale von Tarifa. Die Tiere sind 1,8 bis 3,5 Tonnen schwer und umschwimmen unser Schiff mit einer ausserordentlichen Eleganz. Und wenn sie zu dritt oder zu viert ihre Kreise ziehen, könnten Synchronschwimmer vieles lernen. Katharina Heyer, eine Schweizerin hat in den letzten 30 Jahren in Tarifa eine Forschungs- und Hilfsstation für Wale und Delfine trotz vielen anfänglichen Widerständen aufgebaut. Und Professor David Senn schrieb zum Beispiel: „Ohne den unermüdlichen Einsatz von Katharina Heyer und ihrer Crew wären uns die Delfine und Wale in der Meerenge von Gibraltar noch fremd. Von ihnen zu wissen, ist der beste Weg, sie zu schützen“.

Tarifa
Sonnenuntergang in Tarifa
Camping in Tarifa
Wale
Auf der Exkursion zu den Walen
Das Exkursionsschiff zu den Walen
Wale

Ab Richtung Schweiz

Heute müssen wir unsere Wohnmobile wieder Richtung Schweiz starten. Tarifa ist der südwestlichste Punkt des europäischen Festlandes. Wir wissen , dass wir noch ein paar Kilometer vor uns haben und lassen Gibraltar, das wir bereits kennen, rechts liegen und fahren 279 Kilometer via Malaga bis nach Motril. Der Uebernachtungsplatz liegt mitten in einer riesigen Plantage. Die Gewächshäuser ziehen sich über kilometerlange Felder. Aus der Ferne sehen die weissen Dächer aus wie Schneelandschaften. Drinnen werden Tomaten gezüchtet, die wir in den Wintermonaten in der Schweiz kaufen können.

Am nächsten Tag fahren wir auf der N-340, die von Cadiz bis nach Barcelona führt, weiter bis nach La Manga am Mar Menor. Nach den 323 Kilometern geniessen wir unter vielen englischen Touristen im Campingrestaurant ein feines Menu. Beim Bezahlen merken wir, dass wir wieder in touristischen Zonen angelangt sind, die Preise steigen…

Von La Manga bis nach Denia zu meiner Schwester sind es nur 224 Kilometer. Weil es am Morgen regnet, nehmen wir die Strecke unter die Räder und hoffen auf besseres Wetter in Denia, was auch zutrifft. Wir übernachten direkt vor dem Haus, baden im Meer und sind abends zum Nachtessen eingeladen.

Oliva und Cambrils

Nach den vielen Fahrten, Exkursionen und manchmal fast strengen Tagen halten wir als nächste Station bereits nach 10 Kilometern in Oliva und wollen ein paar Tage die Sonne, Strand und Meer geniessen. Der Kikocamping kennen wir bereits von früheren Reisen und wissen, dass wir hier ein paar Tage auf der faulen Haut liegen können.

Doch heimwärts müssen wir nun und übersiedeln nach Cambrils . Nach 320 Kilometer treffen wir auf dem Camping Playa Montroig viele Freunde und Bekannte. Wir bleiben auch hier ein paar Tage um die Herbstsonne und das warme Meer zu geniessen.

Playa Montroig

Noch einmal Frankreich

Unsere Reise geht langsam dem Ende entgegen. Wir fahren heute nach Marseillan-Plage (474 Kilometer) und wollen dort übernachten. Wir merken im Dorf, dass die Saison vorbei ist, viele Restaurants und Läden sind bereits zu.

Nach dem gemütlichen Nachtessen in einem kleinen Restaurant in der Ortsmitte planen wir die restliche Rückkehrroute. Wir entscheiden uns die Autobahn zu meiden und wollen über die Route National in die Schweiz.

So fahren wir jetzt über Montpellier, Nìmes nach Uzès zum Mittagshalt. Trudi und Beni waren noch nie in der ehemaligen Stadt mit Bischofssitz. Eine verträumte Altstadt, die ehemalige Kathedrale und viele bunte Läden laden zum Verweilen ein. Auf dem grossen Marktplatz trinken wir zum Mittagssandwich Cola und fahren weiter, auf der Landstrasse Richtung Valence.  Der Isère entlang geht es weiter nach Voiron und dort die Berghügel hinauf nach Charavines am Lac Paladru. 370 Kilometer sind wir nun auf der Landstrasse unterwegs und es nachtet bereits. Mit einem Restaurantbesitzer machen wir einen Deal: Er stellt uns den Parkplatz zur Übernachtung zur Verfügung und wir geniessen sein Abendmenu. Es ist super – einzig der geschenkte Chartreuseschnaps entspricht nicht unbedingt unserem Gusto. Aber eben: einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul…

Uzes

Noch 293 Kilometer bis nach Hause

Leider, leider ist unsere schönste Reise in dreissig Jahren Camperfreien nach den letzten 293 Kilometer bis nach Bern zu Ende. Etwas melancholisch und wehmütig machen wir uns ans Aufräumen. Die Reise, ohne ein böses Wort unter uns vieren, mit den wunderschönen Landschaften, den interessanten Städten, den Walen in der Strassen von Gibraltar, den vielen Sonnenauf- und untergängen, bleibt sicher noch lange in unseren Köpfen hängen.

Beni und Ich

Text: Max Riesen

Bilder: Beni Meier und Max Riesen

Wir vier

Beni und Trudi Meier und wir (Christine und Max Riesen) haben schon fast ganz Europa miteinander besucht und erkundet. Diese Reise haben wir mit unseren Wohnmobilen gemacht. Beni mit seinem Rimor und ich mit dem Adria Super Sonic 710. In der Algarve haben wir ein Mietwagen für vier Tage gemietet und waren mit diesem Fahrzeug 386 Kilometer unterwegs. Die restlichen 6208 Kilometer haben unsere Wohmobile gut ausgehalten.

Tags: empfohlen, favoriten

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